Zwischen Buchstabentafel und Kinderküche

Novum: USS bietet Eingliederungskurse für geflüchtete Frauen mit Kinderbetreuung in Sinsheim, Buchen, Mosbach und Schwetzingen an

Sinsheim, 6.08.2019. In der Theorie klingt es gut: Das BEF Alpha (Bildungsjahr für erwachsene Flüchtlinge) richtet sich insbesondere an geflüchtete Frauen im Alter von 21 bis 35 Jahren. Die neunmonatige Weiterbildung des Kultusministeriums Baden-Württemberg vermittelt die deutsche Sprache sowie Grundkenntnisse der deutschen Politik und Kultur. Ziel ist es, die jungen Frauen ins Alltagsleben zu integrieren und auf das Berufsleben vorzubereiten.

In der Praxis gestaltet sich das mitunter schwierig: Die meisten der Teilnehmerinnen sind Mütter, die während der Weiterbildung keine Kinderbetreuung haben.

Mit 28 Wochenstunden ist der Kurs recht zeitintensiv. „Für Mütter ohne Kinderbetreuung ist das eine große Hürde. Wir haben uns intensiv mit regionalen Akteuren in der Flüchtlingsbetreuung ausgetauscht. Schnell war klar, dass es in Sinsheim kein adäquates Angebot für geflüchtete Mütter gibt, die Deutsch lernen und in unserer Kultur heimisch werden möchten“, fasst Petra Hinojosa zusammen. Mit viel Herzblut initiierte die Regionalleiterin des Sinsheimer USS-Standortes vor diesem Hintergrund im vergangenen Jahr das BEF Alpha als homogene Frauengruppe inklusive Kleinkindbetreuung. Den Kurs als reine Frauengruppe anzubieten, war Petra Hinojosa besonders wichtig: „Wir wollten einen Raum schaffen, in dem sich Frauen getrauen, alle Fragen zu stellen und alle Themen anzusprechen.“

Sobald das Bundesbildungsministerium zugesagt hatte, die Betreuungskosten zu übernehmen, war das Team um Hinojosa nicht mehr zu bremsen. Provisorisch aber liebevoll wurde am Standort ‚Breite Seite? ein Platz zum Wohlfühlen für Mütter und Kinder geschaffen. Nach vier Monaten zog der Kurs in neu angemietete Räume in Bahnhofsnähe um. Im mit großem Spielteppich, Couch, Schlafecke, Spielzeug, Büchern und Musikinstrumenten ausgestatteten Betreuungsraum können sich die Kleinen direkt neben dem Unterrichtsraum austoben.

„Unsere Bemühungen haben sich gelohnt“, erzählt Petra Hinojosa, „drei Mal mehr Frauen wollten sich für den BEF Alpha-Kurs anmelden, als Plätze vorhanden waren.“ Der erste Mütterkurs startete im Mai 2018 mit elf Frauen und zehn zu betreuenden Kleinkindern. Das älteste Kind war zwei Jahre, das Nesthäkchen gerade einmal zwei Monate alt. Betreut wurden sie von vier Frauen aus Nigeria, Bulgarien, Tunesien und dem Iran. Sie waren nicht nur als Betreuungskräfte oder Tagesmütter qualifiziert, sondern haben selbst nach ihrer Einwanderung Deutschkurse besucht und die Herausforderungen geflüchteter Mütter kennengelernt.

Um ihnen das Zurechtfinden zu erleichtern, standen neben dem Unterricht einige Exkursionen auf dem Programm. In sozialen und öffentlichen Einrichtungen in der Stadt (z. B. Caritas, Diakonie, Post, Sozialkaufhaus, Rathaus, Supermärkte) sammelten die Teilnehmerinnen zusammen mit ihren Kindern, dem Integrationscoach und den Kinderbetreuerinnen wichtige Erfahrungen. Beim „Berufetag“ schnupperten sie in die Bereiche Pflege, Hauswirtschaft, Gastronomie, Betreuung und Produktionshilfe. Darüber hinaus absolviert jede Frau ein fünfwöchiges Berufspraktikum.

Petra Hinojosa wertet das BEF Alpha mit der integrierten Kinderbetreuung als vollen Erfolg: „In unmittelbarere Nähe zu ihren Kindern und in familiärer Atmosphäre konnten die Teilnehmerinnen stressfrei Deutsch lernen.“ Auch die Kinder selbst haben in den neun Monaten viel gelernt. Vor allem hat sich die deutsche Sprache durch Singspiele und Alltagsgespräche eingeprägt.

Bei der Unternehmensgruppe USS hat das Pilotprojekt bereits Schule gemacht: In Sinsheim startete im Juni der dritte Kurs. Auch in Mosbach, Schwetzingen und Buchen laufen mittlerweile BEF Alpha-Kurse mit Kinderbetreuung.