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USS Heidelberg: "Perspektiven sind der Motor für nachhaltige Integration"

Wolfgang Anderson (rechts) und Katja Tricks (links) mit den ehemaligen PerF-Teilnehmenden Saad Abdullah, Emilienne Tolale Kamdoum und Dugu Drammeh (v.l.n.r.).

Heidelberg. Die Hoffnung auf ein Leben in Sicherheit, auf eine echte Zukunftsperspektive, das war es, was Saad Abdullah vor mehr als einem Jahr dazu bewogen hat, in seiner Heimatstadt Mossul alles hinter sich zu lassen. Nach einer mehrmonatigen Odysee kam der damals 24-Jährige schließlich über die Türkei nach Deutschland. Ohne Sprachkenntnisse und ohne konkreten Plan, wie er auch in der neuen Heimat seinem studierten Beruf nachgehen und als Sportlehrer arbeiten kann.

Ähnlich erging es Emilienne Tolale Kamdoum. Die Gambierin sah in ihrem diktatorisch geführten Heimatstaat weder eine Perspektive noch eine Zukunft für sich. Vor mehr als einem Jahr machte sie sich auf den langen Weg nach Deutschland. Hier, so hoffte sie, würde sie sich eine Zukunft aufbauen können. Auch Emilienne Tolale Kamdoum kam ohne Sprachkenntnisse und ohne konkrete berufliche Perspektive nach Deutschland.

Um Geflüchtete wie Saad Abdullah und Emilienne Tolale Kamdoun dabei zu unterstützen, in Deutschland Fuß zu fassen, führt die USS GmbH seit 2016 in enger Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit an mehreren Standorten, darunter auch in Heidelberg, Weinheim und Sinsheim, eine spezielle Hilfsmaßnahme für Flüchtlinge durch. Jeweils drei Monate dauert die Teilnahme an der sogenannten PerF(Perspektive für Flüchtlinge)-Maßnahme. Während dieser Zeit entwickeln die Teilnehmenden gemeinsam mit den Jobcoaches eine Berufsperspektive und arbeiten darauf hin, diese möglichst bald realisieren zu können. Neben einem sechswöchigen Praktikum, bei dem die Teilnehmenden erste Einblicke in das Berufsleben hierzulande erlangen, gehören zu dem Hilfsprogramm noch Bewerbungstrainings, eine individuelle Unterstützung bei der Anerkennung ihrer bisherigen Berufsabschlüsse sowie die kontinuierliche Vermittlung von deutschen Sprachkenntnissen.

„Als Saad Abdullah zu uns in die PerF-Maßnahme kam, konnte er kein Wort Deutsch, wir hatten große Schwierigkeiten, uns mit ihm zu verständigen“, erklärt Wolfgang Anderson, Teamleiter der PerF-Maßnahme an der USS-Geschäftsstelle in Heidelberg. Doch das änderte sich bald. Mit Hilfe von intensivem Sprachtraining gelang es Abdullah, sich immer besser verständigen zu können. Angetrieben von dem Wunsch, auch in der neuen Heimat als Sportlehrer arbeiten zu können, setzt der 25-Jährige seit Beginn seiner Teilnahme an der PerF-Maßnahme alles in Bewegung, um diesen Wunsch zu realisieren. Die ersten Erfolge seiner Zielstrebigkeit stellten sich bereits während der sechswöchigen Praktikumsphase ein: Sein Praktikumsbetrieb, der Heidelberger Turn- und Sportverein, war so angetan von Saad Abdullah und seinem Können als Sportpädagoge, dass er nun, nachdem er die Maßnahme beendet hat, sechs Stunden in der Woche als Sport- und Fußballcoach für den HTV Heidelberg arbeiten darf.

Die gelernte Friseurin Emilienne Tolale Kamdoum fand in ihrem Praktikumsbetrieb, der Altenpflegeeinrichtung Haus Stammberg in Schriesheim, sogar einen Ausbildungsplatz. „Mich um andere Menschen zu kümmern, ihnen zu helfen, macht mir große Freude“, berichtet die 33-Jährige. Seit April absolviert sie eine speziell für Zugewanderte mit (noch) geringen Deutschkenntnissen ausgerichtete Ausbildung zur Altenpflegehelferin. Parallel zu der Ausbildung wird sie weiter intensiv an ihren Deutschkenntnissen arbeiten und sich so eine Zukunft in einer der krisensichersten Branchen überhaupt aufbauen. 

Saad Abdullahs irakischer Studienabschluss wird in Deutschland nicht anerkannt. Der sportbegeisterte junge Mann will deshalb noch einmal von vorne beginnen und an der Pädagogischen Hochschule Sport und Mathematik auf Lehramt studieren. „Die ersten Schritte hierfür hat Saad schon eingeleitet. Er hat Kontakt zur pädagogischen Hochschule aufgenommen und wird nun einen Sprachkurs für internationale Studienanwärter absolvieren“, teilt Wolfang Anderson mit. Anderson und seine Kollegin Katja Tricks vom Berufsförderungswerk sind sich ganz sicher: Auch diese Hürde wird ihr ehemaliger Schützling Saad Abdullah meistern.

„Durchzuhalten und immer wieder Geduld zu beweisen ist für unsere Teilnehmenden nicht einfach. Die meisten von ihnen sind wie Saad und Emilienne ohne Familie und ohne Freunde hier angekommen. Sie haben niemanden, der ihnen zur Seite steht. Untergebracht sind sie in den Sammelunterkünften. So etwas wie Privatsphäre gibt es da natürlich nicht. In Ruhe zu lernen, ist oft nur schwer möglich. Umso wichtiger ist es, dass diese jungen Menschen, die ihre Heimat hinter sich gelassen haben, um sich in der weit entfernten Fremde eine Zukunft aufzubauen, eine Perspektive entwickeln, für die es sich lohnt, durchzuhalten. Nur dann wird eine nachhaltige Integration auch möglich“, erklärt Wolfgang Anderson.

Seit April 2016 haben mehr als 500 Geflüchtete das Unterstützungsangebot, das die USS GmbH in Heidelberg gemeinsam mit dem Berufsförderungswerk durchführt, angenommen. Ein großer Teil davon absolviert in der Zwischenzeit eine Ausbildung oder geht einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Rund 80 weitere ehemalige Teilnehmende befinden sich aktuell in berufsspezifischen Anschlussqualifizierungen, mit Hilfe derer sie noch einmal gezielt auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Dieser Erfolg freut Teamleiter Anderson mindestens genauso sehr wie seine Schützlinge. „Die meisten unserer Teilnehmenden haben so viel Willensstärke und Lerneifer an den Tag gelegt. Ich bin mir sicher, dass sie weiterhin an ihren Zielen festhalten und mit schnellen Schritten auf ihre Integration in den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt zusteuern.“